„… der freute sich, als er hingekommen war und die Gnade Gottes sah, und ermahnte alle, mit Herzensentschluss bei dem Herrn zu verharren.“
Apostelgeschichte 11,23
Unsere Prägungen und Biografien scheinen unsere Glaubenseinstellungen und Schwerpunkte im Glauben wesentlich mehr zu beeinflussen, als wir uns manchmal eingestehen wollen. Je älter ich werde, desto bewusster wird mir das. Mögliche Streitthemen darüber werden uns wohl nie ausgehen. Manche Dinge müssen berechtigterweise angegangen werden, andere sind an den Haaren herbeigezogen und nicht selten ist es vermutlich die Gegenseite Gottes, die „Dritt- und Viertrangiges“ so in den Vordergrund schiebt, dass Christen vor lauter Beschäftigung damit das Wesentliche aus dem Fokus verlieren. Streitigkeiten – berechtigte und unberechtigte – kennt die Bibel auch. Wo Prägung, Kultur, Gewohnheiten und persönliche Vorlieben das Miteinander in den neutestamentlichen Gemeinden aufgemischt haben, musste manchmal zu liebender Rücksicht und manchmal zu einem Sich-Lösen von unnötiger Einengung aufgerufen werden. Radikale Freiheit und freiwillige Selbstleugnung kollidieren immer mal wieder.
Und dann gibt es zum Glück so Leute wie Barnabas. Wir befinden uns in Apostelgeschichte 11. Der Glaube an Jesus hatte sich ausgebreitet. Und es entstehen erste Gemeinden im Ausland. So auch in Antiochien. Und die Muttergemeinde in Jerusalem stellt fest: Wir haben die Kontrolle verloren! Sie hören von der neuen Gemeinde und schicken jemanden, der dort mal nach dem Rechten sehen soll. Ohne die jüdische Vorgeschichte, ohne das Alte Testament und ohne Jesus persönlich kennengelernt zu haben, kann das doch dort bei den ausländischen Heiden nicht mit rechten Dingen zugehen. So das normale Misstrauen derer, die meinen, den richtigen Weg für sich gepachtet zu haben…
Und sie schicken Barnabas zum Nachgucken. Und das lief so in Apostelgeschichte 11:
20 Es waren aber unter ihnen einige Männer von Zypern und Kyrene, die, als sie nach Antiochia kamen, auch zu den Griechen redeten, indem sie das Evangelium von dem Herrn Jesus verkündigten. 21 Und des Herrn Hand war mit ihnen, und eine große Zahl, die gläubig wurde, bekehrte sich zum Herrn.
22 Es kam aber die Rede von ihnen zu den Ohren der Gemeinde in Jerusalem, und sie sandten Barnabas aus, nach Antiochia hinzuziehen; 23a der freute sich, als er hingekommen war und die Gnade Gottes sah, und ermahnte alle, …
Er sieht, dass die Gnade Gottes dort zu finden ist. Interessant, dass ihm nicht zuerst die Wahrheit Gottes oder die Gerechtigkeit Gottes oder die Heiligkeit Gottes auffällt – obwohl diese hoffentlich auch zu finden waren. Er achtet nicht auf die korrekten Gottesdienstabläufe oder den richtigen Musikstil oder die richtige Interpretation von altgriechischen Vokabeln in Bibeltexten (von denen dort wahrscheinlich sowieso kaum etwas vorhanden war)… ihm fällt die Gnade Gottes auf, die die Menschen dort erreicht hat. Und er freut sich. Ich bin mir sicher, man hat in Antiochia vieles anders gemacht und gelebt, als man das in Jerusalem so gemacht hat. Aber Barnabas erkennt das Wesentliche und freut sich!
Von allen tausend Dingen, die er ihnen jetzt als Rat mit auf den Weg geben, von allen Dingen, die er ansprechen könnte, hat er eine einzige Ermahnung bzw. Ermutigung für sie: 23b … mit Herzensentschluss bei dem Herrn zu verharren.
Und um dieses Anliegen zu unterstreichen, wird in Vers 24 sicherheitshalber noch angemerkt, warum dieser Tipp beachtenswert ist: Denn er war ein guter Mann und voll Heiligen Geistes und Glaubens.
Barnabas schien zu wissen, auf was es ankommt: Bleibt mit klarer Entscheidung in eurem Herzen bei Jesus! Bleibt in seiner Nähe! Und in der Nähe von Jesus wird es gut werden und alles Weitere sich fügen. Er ist der, der sein Reich baut. Er ist erhaben über alle unsere menschlichen Prägungen, kulturellen Einflüsse und auch über unsere privaten Meinungen. Und er weiß nicht nur, was er will, sondern auch, wie er seine Leute dazu bewegt, seinen Willen auszuleben. Alles, was es braucht, ist ihre Bereitschaft, IHM mit ihrem Herzen zu folgen. Dann kriegt ER uns hin.
Und in diesem Sinne wünsche ich euch und uns an der Klostermühle, dass wir mit Herzensentschluss bei dem Herrn verharren. ER kriegt uns hin.
Euer Daniel


